17. Juli 2026

Dienstplanerin im Hirn des Flughafens

von Micha Brandstetter

  • Aviatik

Im Airport Steering laufen alle Fäden des Flughafenbetriebs zusammen. Eva Oehry sorgt als Dienstplanerin im Nebenamt für die richtige Personaleinteilung. Ein ausgeklügeltes Unterfangen.

Als Eva Oehry Ende der Achtzigerjahre nach ihrer Luftverkehrslehre bei der damaligen Swissair als Dienstplanerin in der Zürcher Stationszentrale begann, waren Minenbleistift und Radiergummi ihre wichtigsten Arbeitsinstrumente. «Wenn wir zu viele Korrekturen am Einsatzplan vornehmen mussten, hatte es irgendwann ein Loch im Blatt», erinnert sich Eva und ein Lächeln umspielt ihre Mundwinkel. Das sind wahrhaftig Welten im Vergleich zu heute: Ein digitales Dienstplanungstool prüft automatisiert die arbeitsgesetzlichen Regeln und ermöglicht es, dass Mitarbeitende ihre Wünsche online platzieren und den veröffentlichten Plan direkt einsehen können.

Ein Summen wie im Bienenhaus

Die Dienstplanung im Airport Steering ist komplex, denn im sogenannten «Hirn des Flughafens» geht es geschäftig zu wie in einem Bienenstock. Der Geräuschpegel in der Steuerleitzentrale des Flughafenbetriebs ist entsprechend hoch. Die am Passagierprozess vom Check-in bis zum Take-off beteiligten Unternehmen wie Airlines, Bodenabfertiger, Reinigungsfirmen und Blaulichtorganisationen sind im Raum im Dock A vertreten. So ist direkt akustisch hörbar, wenn andere Stakeholder Herausforderungen zu meistern haben und schwierige Situationen können idealerweise entschärft werden, bevor sie den Flughafenbetrieb beeinträchtigen. Dafür tauschen die Partner laufend Informationen aus, beurteilen die Lage gemeinsam und stimmen ihre Massnahmen direkt aufeinander ab. «Die betrieblichen Gegebenheiten erfordern eine grosse Umsicht und Exaktheit bereits weit im Vornherein, so dass am Tag X die richtigen Mitarbeitenden zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind», so Eva.

Eva Oehry kennt alle Spezialitäten der Dienstplanung aus dem Effeff.

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Jedes Rädchen greift ineinander

Drei Hauptaufgabenfelder müssen von Eva immer mit ausreichend Manpower besetzt werden. Einerseits überwachen die Mitarbeitenden der Flughafenbetreiberin im Steering die Ressourcen. Das bedeutet, sie disponieren Flugzeuge je nach Grösse und Destination auf passende Standplätze oder weisen landenden Maschinen Gepäckbänder zu. Weiter gibt es frühe, mittlere und späte Duty-Manager-Dienste, wo die zugeteilten Personen als Trouble Shooter fungieren. Zum Beispiel koordinieren sie gemeinsam mit der Kantonspolizei Zürich, wie viele Linien der Sicherheitskontrolle geöffnet werden oder setzen im Ereignisfall spezielle Notfall-Pläne um. Dies ist etwa nötig, wenn die Skymetro, welche das Dock E mit dem Airside Center verbindet, ausfällt. Zudem haben alle 15 Mitarbeitenden im Steering ein zusätzliches, spezifisches Ressort zugeteilt. Bei diesem kümmern sie sich um die vertiefte Koordination mit den Flughafenpartnern. Für die Ressorts wie Arrival Services müssen immer wieder Besprechungen während der Bürozeiten stattfinden. Diese betrieblichen Bedürfnisse bringt Eva unter einen Hut mit den privaten Wünschen ihrer Kolleginnen und Kollegen. Das ist ein Drahtseilakt, ein stetiges Ausloten, das sie über die Jahrzehnte perfektioniert hat. Sie ist überzeugt: «Gerechte Dienstpläne sind elementar für motivierte Mitarbeitende.» 

Das Airport Steering im Dock A ist unter anderem für die Vergabe der Standplätze zuständig.

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Wer arbeitet, wenn die Massen in die Ferien fahren?

Die 60-jährige Liechtensteinerin lebt im Takt des Flughafenbetriebs, 7 Tage pro Woche, 12 Monate im Jahr. An Wochenenden, Feiertagen und in Ferienzeiten nimmt der Betrieb so richtig Fahrt auf und ist besonders personalintensiv. Damit es fair aufgeht, muss Eva gewisse Kniffe anwenden. Etwa, dass Mitarbeitende nur entweder an Weihnachten oder zum Jahreswechsel frei haben können. Die Planung der Ferien erfolgt bereits im Vorjahr in zwei Tranchen, während der Schulferien haben Mütter und Väter mit kleinen Kindern Vorrang. Die Präferenzen der Arbeitsaufteilung sind individuell, manche Mitarbeitende arbeiten am liebsten ganze Blöcke mit immer derselben Schicht, andere bevorzugen mehr Abwechslung. Eva selbst gefällt an der Schichtarbeit, dass sie auch unter der Woche frei haben und so antizyklisch abseits der grossen Menschenströme zum Beispiel auf die Skipiste kann. Ferien im Winter sind aber eher die Ausnahme, denn im Gegensatz zum meisten anderen Bodenpersonal, ist im Airport Steering nicht der Sommer die Hochsaison.

Spielraum im engen Korsett

Wenn es draussen frostig wird, muss Eva anstelle von sechs täglich acht Schichten einplanen, damit ihre Abteilung die Koordination der Enteisung der Flugzeuge bewerkstelligen kann. Jede:r Pilot:in bestellt beim De-Icing-Büro des Steerings das benötigte Handling. Für diese administrativen Tätigkeiten hat Eva neben den fixen Mitarbeitenden im Monatslohn auch Mitarbeitende auf Abruf in einem Pool zur Verfügung. Bei der Planung hilft es ihr, dass die Wochenarbeitszeit bei der Flughafen Zürich AG im Jahr 2025 für Vollzeitmitarbeitende auf 41 Stunden gesenkt wurde. Ausserdem gibt ihr das System der Jahresarbeitszeit mehr Spielraum. Damit kann sie jahreszeitenabhängig im gesetzlichen Rahmen unter- beziehungsweise überplanen. Ebenfalls etwas «Luft» gewährt Eva, dass die wenigsten Teammitglieder mit einem Beschäftigungsgrad von 100 % arbeiten. Somit können sie bei kurzfristigen Absenzen eher einspringen, was mit Dienstverschiebungspauschalen belohnt wird.

Die Koordination der Flugzeugenteisung fordert das Steering im Winter besonders.

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Voll und ganz im Hier und Jetzt

An ihrer Arbeit ausserhalb des klassischen Nine-to-Five-Rhythmus schätzt Eva die klare Trennung zwischen Dienst und Freizeit. «Während der Schicht muss man voll präsent sein, rasch entscheiden und unmittelbar handeln», erzählt sie. Für aufgeschobene Pendenzen bleibt im laufenden Betrieb kaum Raum. Mit dem Schichtende übergibt sie die offenen Aufgaben an die nächste Crew. Die Verantwortung bleibt im Airport Steering, Eva kann abschalten. Gerade darin liegt die Besonderheit ihrer Doppelfunktion. Als Dienstplanerin denkt sie Wochen und Monate voraus. Als Senior Duty Manager konzentriert sie sich auf das, was just in time entschieden werden muss.