
31. August 2026
Bedeutung des Handelsabkommens mit Indien für die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz
- Politik
Gastbeitrag von Philippe M. Reich, Chairman Swiss-Indian Chamber of Commerce (SICC) International Trade Partner Baker McKenzie
Indien ist nicht nur mit rund 1.45 Mia. Einwohnern das bevölkerungsreichste Land der Welt, sondern auch die weltweit viertgrösste Volkswirtschaft. Indien strebt kurzfristig an, zur weltweit drittgrössten Volkswirtschaft aufzusteigen und zum 100. Jahrestag der Unabhängigkeit 2047 nach internationalen Standards als entwickeltes Land zu gelten.
Mit einem vom IWF auf 6.5% prognostizierten Wirtschaftswachstum im Finanzjahr 2026/27 (März bis März) gilt Indien weiterhin als globale Wachstumslokomotive, an die es sich dranzuhängen lohnt.
Massgebende treibende Faktoren sind dabei namentlich der Aus- und Umbau der öffentlichen Infrastruktur, die Industrialisierung (nicht nur für Binnen-, sondern auch Exportzwecke) sowie die Digitalisierung. Auffallend ist bei Indiens Bevölkerungsgrösse die weiterhin expansive Bevölkerungspyramide (bei einem Medianalter von rund 29 Jahren) sowie damit einhergehend auch ein anhaltendes Wachstum der Mittelschicht, die mittlerweile beinahe ein Drittel der Bevölkerung ausmacht. Folgerichtig ist Indien nun sowohl auf eine fortgesetzte Liberalisierung seines Binnenmarkts als auch insbesondere eine Marktöffnung gegenüber westlichen Partnerstaaten angewiesen, um seine Wachstumsziele zu erreichen und aktiv an den globalen Lieferketten teilzuhaben.
Indien positioniert sich seit der Pandemie geopolitisch als dritte Grossmacht und wirtschaftlich als Alternative insbesondere auch zu China. Aus Indiens Sicht ist eine globale regelbasierte Welthandelsordnung und somit auch eine funktionierende WTO essenziell. Darüber hinaus schliesst sich Indien in den letzten Jahren vermehrt plurilateralen Gefässen an bzw. schliesst vermehrt bilaterale Handelsabkommen, namentlich mit westlichen Staaten, ab (so auch mit dem Vereinigten Königreich und der EU).
Für Schweizer Unternehmen bietet sich somit, angesichts der wohl noch länger anhaltenden Polarisierung und (von Indien nicht erwünschten) Duopolisierung, mit Indien ein attraktiver alternativer Markt an.
Hier kommt das am 1. Oktober 2025 in Kraft getretene TEPA (Trade and Economic Partnership Agreement) zwischen der EFTA (unter Schweizer Federführung) und Indien ins Spiel, das für die Schweiz politisch und wirtschaftlich sehr bedeutsam und wegweisend ist.
Es bringt für die Schweizer Exportwirtschaft über 10 Jahre hinweg für rund 95% der Exporte in zahlreichen relevanten Sektoren Zollerleichterungen bzw. einen Zollabbau, dies in Zeiten wo andernorts wieder Zollbarrieren errichtet werden.
Als Novum sieht es sodann vor über 15 (+5) Jahre hinweg ein beidseitiges Versprechen mit dem gemeinsamen Ziel Investitionen über insgesamt USD 100 Mia. zu tätigen und 1 Mio. neue Arbeitsplätze zu schaffen. Ein Grossteil davon entfällt aufgrund der bisherigen Handelsströme auf die Schweiz.
Indiens Marktöffnung und sein entsprechendes Interesse an mehr Handel und Investitionen bedingt aber auch eine funktionierende Infrastruktur mithilfe international bewährter Investoren. Das indische Investitionsbudget für seine landesweite Infrastruktur, wie beispielsweise den Bau neuer Flughäfen, ist enorm.
Der Flughafen Zürich hat es vorgemacht: Wer sich zeitig und erfolgreich im indischen Markt positioniert, ist prädestiniert, seine Marktpräsenz zu festigen und weiter auszubauen. Das TEPA bietet Schweizer Unternehmen ein geeignetes Instrument, ihre Lieferkette zu diversifizieren und Abhängigkeiten abzubauen. Es ist ein Beispiel dafür, wie die Schweiz darauf angewiesen ist und davon profitiert, möglichst zahlreiche Handels- und Investitionsabkommen mit befreundeten Partnern abzuschliessen.
Entsprechend ist sämtlichen Versuchen, die Schweiz aussenwirtschaftspolitisch zu isolieren, entschieden entgegenzutreten. Schweizer Unternehmen haben uns immer wieder bewiesen, wie sie durch internationale Präsenz unseren Wohlstand ermöglichen und nachhaltig festigen.
Philippe M. Reich
Chairman Swiss-Indian Chamber of Commerce (SICC)
International Trade Partner Baker McKenzie

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